Penshurst Place & Gardens

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Penshurst Place aus der Luft © VisitKent
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Penshurst Place © VisitKent
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Penshurst Place und der italienische Garten © VisitKent | David Markson
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Penshurst Place | Die Baron’s Hall © VisitKent
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Penshurst Place und das Bad der Diana © VisitKent
Karte
Wissenswertes über Penshurst Place & Gardens

Lesezeit: 7 min

Penshurst Place gilt als „das großartigste und am besten erhaltene Beispiel eines befestigten Herrenhauses in ganz England“.


Es ist seit über 650 Jahren ein Ort der Inspiration für Künstler und beherbergt heute in seinen Mauern eine bemerkenswerte Sammlung von Gemälden, Wandteppichen und Möbeln aus dem 15.bis 17. Jahrhundert.


Um das Haus erstrecken sich die 11 Hektar großen elisabethanische Gärten, die durch Eibenhecken in „Räume“ unterteilt sind. Jeder dieser „Räume“ ist so bepflanzt, dass er im Wechsel der Jahreszeiten verschiedene Farben zeigt.


Die Anfänge unter Sir John de Pultenay

Um 1329 erwarb John de Pultenay das Anwesen Penshurst von der Familie Penchester. Ein altes Grabbildnis von Sir Stephen de Penchester – Lord Warden of the Cinque Ports – aus dem 13. Jahrhundert findet man in der örtlichen Pfarrkirche.


Pultenay war in der Mitte des 14. Jahrhunderts einer der reichsten und mächtigsten Männer des Landes. Als wohlhabender Kaufmann war er viermal Bürgermeister von London und

suchte einen Landsitz in unmittelbarer Nähe von London. Seinen Reichtum und sein gesellschaftlicher Status drückte er mit dem Bau eines großen neuen Hauses mit einer prächtigen Halle aus.

Die Baron’s Hall von Pultenay aus dem 14. Jahrhundert bildet auch heute noch das Herzstück des Hauses. Im Jahr 1341, noch vor der Fertigstellung des Saals, erhielt de Pultenay die Genehmigung, das Gebäude mit Zinnen zu versehen, d. h. zu befestigen.

Der Saal ist ganze 60 Fuß lang und fast 40 Fuß breit, mit hohen Maßwerkfenstern, die Licht hereinlassen. Der beeindruckende Dachstuhl besteht nicht aus der üblichen Eiche, sondern aus Kastanienholz, und die Balken werden von grotesken Holzfiguren getragen.

Von der Haupthalle führt eine Treppe hinunter zu einer gewölbten Krypta und hinauf zu einem Solar, einem privaten Rückzugsraum. In der Wand befindet sich ein kleines Fenster, durch das Pultenay beobachten konnte, was in der Halle passierte, ohne selbst gesehen zu werden.

Nach dem Bauernaufstand von 1381 und unter dem Drohung einer französischen Invasion wurde Penshurst Place mit einem massiven System von zinnenbewehrten Mauern und Wehrtürmen zu umgeben.

Drei Herzöge von Buckingham

Sechzig Jahre nach Pulteneys Tod wurde Penshurst Place der Besitz von John, dem dritten Sohn von König Henry IV. Der zweite Saal, der sich an der Westecke des ursprünglichen Hauses befindet, ist als Buckingham-Gebäude bekannt und wird John zugeschrieben.

Nach dessen Tod erbte sein jüngerer Bruder und 1447 Humphrey Stafford, 1. Duke of Buckingham, Penshurst Place. Er war der erste von drei aufeinanderfolgenden Herzögen von Buckingham, die das Anwesen besaßen. Der letzte stellte seinen Reichtum und seine Macht vielleicht zu deutlich zur Schau.

Penshurst und Henry VIII

König Henry VIII. kam als sein Gast nach Penshurst – ein Ereignis, das verschwenderisch gefeiert wurde. Da der König noch keinen männlichen Erben hatte und Buckingham durch seine Abstammung – er hatte einen starken Anspruch auf den Thron – durchaus als Bedrohung gesehen werden konnte, suchte und fand man einen Vorwand, ihn wegen Hochverrats vor Gericht zu stellen und zu enthaupten.

Als Anwesen eines Verräters wurde Penshurst Besitz der Krone. Henry VIII nutzte es als Jagdschloss. Von hier aus besuchte er das nahe gelegene Hever Castle während er Anne Boleyn, seiner zweiten Frau den Hof machte.

Penshurst Place war Teil von Henrys Scheidungsvereinbarung mit seiner vierten Frau, Anne von Kleve, und war dann kurzzeitig im Besitz von Sir Ralph Fane, bevor auch dieser wegen Hochverrats hingerichtet wurde.

Penshurst Place und die Familie Sidney

Im Jahr 1552 übertrug Henrys Sohn und Erbe Edward VI. das Anwesen an Sir William Sidney, einen Staatsmann und Soldaten, der ihm als Haushofmeister und Kammerherr diente.

Als Sidney bald darauf starb, erbte sein Sohn, Sir Henry Sidney, einen der politisch aktivsten Männer der Tudorzeit. Sidney gelang es, während des Übergangs von der protestantischen Herrschaft Edwards über die katholische Herrschaft von Königin Mary bis hin zur neuen protestantischen Ära von Elisabeth I. in der Gunst der Herrscher zu bleiben.

Sir Henry baute sein Haus in Penshurst erheblich aus. Er ließ im Buckingham-Flügel ein Dachgeschoss hinzufügen und den Trakt im ersten Stock in eine Reihe von Staatsräumen unterteilen. Heute sind sie Queen Elizabeth and Tapestry Rooms bekannt und der Öffentlichkeit zugänglich. Er errichtete ein großes Torhaus, den „King’s Tower“ und baute einen der ältesten Privatgärten Englands aus, die Aufzeichnungen reichen bis ins Jahr 1346 zurück.

Der beliebteste Dichter seiner Zeit

Sir Philip Sidney war der bekannteste Vertreter seiner Familie. Er war der beliebteste Dichter seiner Zeit, berühmt für seine Sonette und für sein Werk „Arcadia“, inspiriert von der Landschaft um sein Elternhaus in Penshurst.

Sidney starb auf einem Feldzug in den Niederlanden an Wundbrand, 25 Tage nachdem er sich eine Schusswunde bei der Belagerung von Zutphen zugezogen hatte. Sein Porträt befindet sich in der Long Gallery, die sein jüngerer Bruder Robert Sidney bauen ließ. Königin Elisabeth I. besucht mehrmals Penshurst Place. In dem nach ihr benannten Raum soll sie während ihrer zahlreichen Besuche nach 1599 häufig Audienzen gegeben haben.

Sir Robert Sidneys Söhne Algernon und Philip kämpften im Bürgerkrieg für das Parlament. Algernon war auch politisch aktiv und wurde 1683 in den Rye House Plot verwickelt. Ziel der Verschwörung war es König Karl II. von England und seinen Bruder und Thronfolger Jakob wegen ihrer prokatholischen Politik zu ermorden. Sidney wurde in einem unfairen Prozess verurteilt und hingerichtet.

Penshurst Place und die Familie De L’isle

Die Sidney-Linie starb im 18. Jahrhundert aus, und das Anwesen ging über die weibliche Linie an die Shelleys. Der neue Besitzer war Sir John Shelley, der den Namen Sidney annahm. Sir Johns Sohn war der erste Lord De L’isle, und die Familie De L’isle besitzt Penshurst noch heute.

Unter ihrer Leitung wurden die mittelalterlichen und Tudor-Gebäude restauriert und eine Reihe von Prunkräumen für Besucher geöffnet. Dazu gehören der Gobelinsaal und der benachbarte Queen-Elizabeth-Saal, in denen einige wunderbare Kunstwerke und Möbel ausgestellt sind.

Im 2. Weltkrieg wurde Penshurst durch drei Fliegerbomben erheblichen Schaden zugefügt, die Familie musste auf ihren Landsitz in Yorkshire ausweichen. Auch um die Kosten für Restaurierungsarbeiten der Kriegsschäden in Penshurst Place zu bestreiten, wurde das Haus im Jahr 1946 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Gärten von Penshurst Place

Südlich des Hauses erstrecken sich 10 Hektar Gärten, ein Großteil davon im italienischen Stil, mit geschnittenen Buchsbaumhecken, die sich um einen ruhigen Brunnen gruppieren. Hohe Eibenhecken schützen einen großen Obstgarten. Sir Philip Sidney hätte einen Großteil des Gartens wiedererkannt, denn er hat sich seit der Tudorzeit nur wenig verändert.

Zu den besonderen Höhepunkten gehören im Frühjahr die blühenden 12.500 Tulpen, später im Jahr die vielen Rosensorten und die 100 Meter langen Pfingstrosenrabatten, sowie der Reichtum an Farben, der das ganze Jahr über in den 11 „Gartenräumen“ zu sehen ist, die durch mehr als eine Meile Eibenhecken voneinander getrennt sind.

Während Ihres Besuchs in Penshurst sollten Sie auch die Pfarrkirche St. John the Baptist besichtigen, in der sich die Gräber der Sidney Familie befinden. Sie reichen zurück bis zu Sir Willliam, dem ersten Mitglied der Familie, das in Penshurst lebte.

Während der gesamten Saison werden Veranstaltungen, Aktivitäten und Workshops für die ganze Familie angeboten. Für Kinder gibt es ein Spielzeugmuseum, einen Abenteuerspielplatz und ein Waldlehrpfad, in den Sommerferien wird ein Maislabyrinth errichtet. Das Gartenrestaurant und das Porcupine Pantry Café, sowie der Souvenir Shop runden das Angebot ab.

Penshurst Palace als Filmlocation

In der Long Gallery werden die Kostüme aus dem Film „The Other Boleyn Girl“ von 2008 ausgestellt. Die Baron’s Hall war Schauplatz des extravaganten Hochzeitsfestes von Henry VIII und Anne Boleyn im Film.

Auch für „Mary Queen of Scots“ von 2018 wurde das Anwesen als Drehort genutzt. Die mittelalterliche Baron’s Hall ist die Kulisse für Marys Hinrichtung, eine der Schlüsselszenen des Films. Der Innenhof wurde genutzt, um die feierliche Prozession der Zuschauer zu zeigen, die auf die Hinrichtung der Königin warten.

In der 6- teiligen BBC-Serie „Wolf Hall“ nach dem Buch von Hilary Mantel war die Long Gallery einer der Drehorte für die Szenen in Whitehall – historisch korrekt der Tudorzeit nachempfunden.

Wir danken VisitKent für Infos und Photos. Die Bildrechte liegen dort.

Eintrittspreise
Schloss, Gärten & Grund
Erwachsene (16 Jahre und älter): £14.00
Kind (von 5 bis 15 Jahre): £7.80
Familie (2 Erwachsene & 2 Kinder): £39.00
Familie (1 Erwachsener & 3 Kinder): £35.00
Familie (2 Erwachsene & 1 Kind): £33.00

Gärten & Grund
Erwachsene (16 Jahre und älter): £12.00
Kind (von 5 bis 15 Jahre): £7.30
Familie (2 Erwachsene & 2 Kinder): £36.00
Familie (1 Erwachsener & 3 Kinder): £31.50
Familie (2 Erwachsene & 1 Kind): £28.50

Freier Eintritt für 2 Kinder unter 5 Jahren pro zahlendem Erwachsenen, danach £2,50 pro Kind unter 5 Jahren.
(Stand 2023)
Öffnungszeiten
Schloss:
11. Februar bis 26. März:
Am Wochenende von 11:30h bis 15:30h

1. April bis 29. Oktober:
Täglich von 11:30h bis 15:30h

Gärten & Grund:
11. bis 19. Februar
Täglich von 10:00h bis 17:00h

20.Februar bis 26.März:
Am Wochenende von 10:00h bis 17:00h

1. April bis 29. Oktober:
Täglich von 10:00h bis 17:00h

Letzter Einlass 30 Minuten vor Schließung
(Stand 2023)

Alle Angaben ohne Gewähr. Öffnungszeiten können sich ändern. Bitte überprüfen Sie diese kurzfristig auf der Website.
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Reisetipps

England ist ein wunderbares Reiseziel, gerade für Geschichtsfans. Das milde Klima ist perfekt für die vielen traumhaften Gärten, die Küste bietet Strände zum Entspannen und Steilklippen mit Höhlen für Entdeckungen und atemberaubende Aussichten.

Beliebte Rundreiseziele sind z.B. die alten Grafschaften Kent, Surrey, Sussex und Oxfordshire.

Reisezeit

Die beste Reisezeit ist von Mai bis September. In der englischen Ferienzeit von Mitte Juli bis Ende August ist allerdings die touristische Hochsaison. Gerade die Regionen am Meer und die Nationalparks können dann ziemlich voll sein. Wer die vielen Gärten oder Parks besichtigen möchte, sollte sich auf die Haupt-Blütezeit im späten Frühjahr konzentrieren.

Im Winter bzw. meist von Oktober bis Ostern sind viele Burgen und Schlösser geschlossen / nur eingeschränkt geöffnet.

Tickets

Richtig sparen kann man mit sogenannten Touringpässen. Die Preise erscheinen erstmal kernig, aber die Pässe rechnen sich ziemlich schnell, wenn man mehrere Objekte besucht.

  • Der National Trust Touring Pass ist momentan nur über die NT- Website verfügbar. Auch wenn von dort ein Link zum Shop von Visit Britain als Alternative angegeben wird, im Moment ist der Pass dort nicht zu finden. In Südost England sind einige der 500 Objekte des Trust zu finden. Hier finden Sie eine Übersicht.
  • Der English Heritage Overseas Visitor Pass erlaubt freien Eintritt zu über 100 Denkmälern und archäologischen Stätten. Darunter sind Highlights wie Dover Castle in Kent, Battle Abbey und Pevensey Castle in Sussex. Eine Karte aller Objekte zur Reiseplanung finden Sie hier.

Reiseführer & Straßenkarten

Schmöker-Tipps zum Einstimmen

  • Rebecca Gablé's Von Ratlosen und Löwenherzen  ist und bleibt unser Lieblingsbuch für den Einstieg in die englische Geschichte.
  • Der Südosten gilt auch als der "Garten Englands", dem entsprechend gibt es dazu viel Literatur. Der unvergleichliche Garten von Sissinghurst  in der Grafschaft Kent ist untrennbar verbunden mit der Schriftstellerin Vita Sackville-West. Das Buch Königliche Gärten  von Stefanie Bisping beschreibt grüne Paradiese in ganz Großbritannien, darunter auch Hever Castle und Polesden Lacey.
  • Die Reihe um den Donnerstagsmordclub von Richard Osman spielt in einer Seniorenresidenz in Kent. Ein orgineller Krimi - leichtfüßig und unterhaltsam. Band 1: Der Donnerstagsmordclub 
  • Anne Boleyn: Die Mutter der Königin  von Alison Weir macht uns bekannt mit der 2. Ehefrau von Henry VIII, die einen Teil ihrer Kindheit in Hever Castle verbrachte.

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