Château de Lavardin

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Château de Lavardin - Traumhafte Ruine über dem Ort
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Seitenansicht Ruine - Château de Lavardin
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Torhaus - Château de Lavardin
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Seitenansicht Palas - Château de Lavardin
Adresse
41800 Lavardin
Centre-Val de Loire
Frankreich

Karte
Wissenswertes über Château de Lavardin

Lesezeit: 5 min

Der kleine Ort von Lavardin gehört heute zu den „Plus beaux villages de France“ – den schönsten Dörfern Frankreichs, mit seiner romantischen Burgruine, den mittelalterlichen Häusern und der gotischen Brücke, die am Ende des 12. Jahrhunderts oder Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut wurde. Dier Brücke ist 56 Meter lang, ruht auf acht Bögen und wurde wahrscheinlich nicht nur als Übergang über den Fluss Loir sondern auch als Mautstelle benutzt.

Die Region war schon in prähistorischer Zeit besiedelt, Funde aus dem Paläolithikum bis zum Neolithikums belegen dieses. In gallischer Zeit bestand hier ein befestigtes Dorf, die Stämme der Cenomani und der Carnutes hatten hier ihre Hütten und Palisaden. Danach ersetzte ein galloromanisches Dorf die Hütten der gallischen Stämme. Es fanden sich Überreste der Fundamente eines Merkur–Tempels und Reste einer alten Straße.

Ab dem dritten Jahrhundert begann die Evangelisierung des Loire-Tals, es war eine turbulente Zeit mit Invasionen durch barbarische Stämme. Erst das Aufkommen der Merowinger stellte einen relativen Frieden her. Ende des 7. Jahrhunderts errichtete Richemer, ein reicher und frommer Mann aus der Region Tours, eine Einsiedelei am Ufer des Loirs in der Nähe der Turris dominica, des Turms du Seigneur, einer primitiven Burg. Wahrscheinliche Spuren dieser ersten Befestigung finden sich über der Höhle „La Cave des Vierges“.

Im 9. Jahrhundert wurden die Grenzpunkte im Loir-Tal befestigt um den Angriffen der Wikinger entgegenzuwirken. Auf dem Felsvorsprung von Lavardin wurde ein Aussichtsposten installiert, der gleichzeitig der Bevölkerung Zuflucht bieten konnte. Eine Urkunde aus dem Jahr 989 erwähnt eine Festung in Lavardin, die Bouchard Graf von Vendôme, an Foulques Nerra Graf von Anjou abgetreten hat. Dessen Sohn Foulques l'Oison errichtete hier eine hölzerne Festung, die er Salomo anvertraute, einem einfachen Waldläufer - dem späteren ersten Herren von Lavardin.

Im 11. Jahrhundert stattete Salomo II. die Festung mit ihrem ersten Bergfried aus Stein aus. Ein Jahrhundert lang führten die benachbarten Feudalherren von Montoire und Lavardin einen gnadenlosen Krieg, der die umliegende Region verwüstete. Noch heute erinnert ein altes Klagelied an diese endlosen Zusammenstöße. Erst der Hundertjährige Krieg versöhnte die Herren von Lavardin und Montoire. Sie verbündeten sich im Jahr 1188, um siegreich den Truppen von Richard Löwenherz und Henry II von England zu widerstehen, die Lavardin belagerten.

Das gesamte 16. Jahrhunderts war in Frankreich von den Religionskriegen geprägt, Katholiken gegen Protestanten. Trotz der Konversion von Jeanne d´Albret - Mutter von Henri de Navarre und Herzogin von Vendôme, zum Protestantismus - wollte das Vendôme-Land streng katholisch bleiben. Als der junge König von Navarra und Herzog von Vendôme 1589 den katholischen Glauben annahm und unter dem Namen Henri IV König von Frankreich wurde, weigerten sich seine Vendôme-Untertanen ihn anzuerkennen. Er marschierte an der Spitze seiner Truppen in das Loir-Tal, belagerte und besiegte nacheinander die Festungen von Vendôme, Lavardin und Montoire und ließ die Burgen schleifen. Und diesen Zustand sehen wir noch heute. Das Château de Lavardin steht unter Denkmalschutz und ist seit November 1945 als Monument historique klassifiziert.

Während der Besichtigung kann man die drei Bereiche der Ruine erkunden. Vom ersten Teil ist noch ein großes Torhaus oder "Châtelet" aus dem 12., 14. und 15. Jahrhundert mit seinen zwei Türmen, seinem Tor, wo sich früher die Zugbrücke befand und seinen Maschikuli - Wurf- oder Gussöffnung an der Außenmauer- erhalten. Dieses Tor ermöglichte den Zugang zur ersten Ebene, hier lebten die Garnison und die Bediensteten. Im Norden befand sich eine Höhlenküche, die mit einem Bäckerofen in die Felswand versehen war.

Auf der zweiten, über eine Treppe zugänglichen Ebene befanden sich wahrscheinlich die Kapelle und im Osten mehrere herrschaftliche Wohngebäude aus dem 12., 14. und 15. Jahrhundert. In einem der Gebäude ist noch der Teil einer Steintreppe erhalten. Hier findet man die Wappen des Hauses Vendôme und eine Nische für Öllampen, die mit drei Masken verziert ist.
Dazu befanden sich hier die Wachräume und der Tour du Capitaine. Der Capitaine führte die Burg in allen militärischen Belangen. Eine Eisenkugel wurde hier gefunden, sie stammt aus einer Belagerung im Jahr 1590.

Auf der letzten Ebene, geschützt durch eine starke Ringmauer aus dem 12. bis 15. Jahrhundert steht ein imposanter rechteckiger Bergfried aus dem 12. Jahrhundert. Dieses Gebäude basiert teilweise auf den Mauern des ersten steinernen Wohnturmes aus dem 11. Jahrhundert. Im der ersten Etage finden sich elegant dekorierte Räume für die herrschaftliche Familie mit einem Kamin mit dem Drei Lilien Wappen, gehalten von zwei Engeln. König Charles VII und seine Maîtresse Agnes Sorel "La Dame de Beauté“ wurden in diesem Raum empfangen. Der König verkündete hier den "Waffenstillstand von Lavardin".

Die achteckige Treppe ist ein bemerkenswertes Werk aus dem 15. Jahrhundert, das von Jean VII in die Nordwand gebaut wurde. Einige der anmutigen Säulen mit Laubverzierungen sind erhalten.

Zwischen dem Ende des 12. und dem 13. Jahrhundert wurde Donjon durch drei starke Türme verstärkt und zwischen dem Ende des 14. und der Mitte des 15. Jahrhunderts von den Grafen von Vendôme weiter ausgebaut. Mit seiner Höhe von 26 Metern dominiert der Bergfried das Dorf und das Tal und bietet ein herrliches Panorama bis zum Château de Montoire und dem Ort Trôo mit seinen bekannten Höhlenwohnungen in der Ferne.
Eintrittspreise
Erwachsene: 4,00 €
Für Kinder unter 14 Jahren: 1,50 €
Gruppe: 3,00 € (mindestens 20 Personen)
Außerhalb der Touristensaison Besuch nach Vereinbarung unter 06 81 86 12 80
mit erklärender Broschüre :20 € für 1 bis 4 Personen + 4 € pro weitere Person
(Stand 2020)
Öffnungszeiten
Vom 06.Juni bis 31.Oktober 2020
Von 10:00h bis 12:00h und von 14:00h bis 18:00h
Täglich außer montags
(Stand 2020)

Alle Angaben ohne Gewähr. Öffnungszeiten können sich ändern. Bitte überprüfen Sie diese kurzfristig auf der Website.
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Touren-Tipps
Reisetipps

Das flächenmäßig größte Land Europas hat ein abwechslungsreiches Klima, welches das Land durch alle Jahreszeiten zu einem attraktiven Reiseziel macht. Für Städtebesichtigungen oder Burgentouren sind die Frühjahrs- und Herbstmonate zu empfehlen, mit dem niederschlagsarmen Frühjahr und dem milden Herbst. Grundsätzlich empfiehlt sich gerade bei den kleineren Schlössern, die etwas abseits der “Rennstrecken” liegen, die Öffnungszeiten vorher auf deren Website zu prüfen. Gerade bei private Objekten erlebt man sonst allerlei Überraschungen.

Reisezeit
Die beste Reisezeit für Frankreich hängt ganz davon ab, in welcher Region man reisen möchte. Der Norden, Westen und Osten haben ein eher gemäßigtes Klima, hier empfiehlt sich die Zeit von von April bis September, zumal dann die meisten Schlösser und Burgen regelmäßige Öffnungzeiten haben. Im mediterranen Klima des Südens kann die angenehme Zeit noch bis weit in den Oktober reichen.

Tickets
Viele der französischen Kulturdenkmäler gehören zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Europas. Bestellen Sie die Karten im vorhinein und vermeiden damit Enttäuschungen.

Reiseführer
Als Lektüre und zur Vorbereitung verwenden wir gerne die Reiseführer von Baedeker Reiseführer Frankreich oder Lonely Planet Reiseführer Frankreich (Lonely Planet Reiseführer Deutsch). Als Hosentaschen-Reiseführer nutzen wir gerne MARCO POLO Reiseführer Frankreich: Reisen mit Insider-Tipps, inkl. kostenloser Touren-App & Update-Service.

Lesen
Buchcover "So sind die Franzosen" - amüsierte Hilfe zum Umgang mit unseren geliebten Nachbarn =)

  • Wer sich mit Büchern einstimmen möchte, dem empfehlen wir das Buch “So sind sie, die Franzosen: Die Fremdenversteher von Reise Know-How” (Knapp) – etwas bissig und voller humorvoller Einsichten.
  • Die Romanreihe Fortune de France von Robert Merle erzählt in immerhin 13 Bänden die Geschichte Frankreichs im 16. und 17. Jahrhundert. Sicherlich ein Brocken, aber eine tolle Vorbereitung auf die Schlösser der Loire und all die Francois, Louis und Henris, die einem in den Schlössern begegnen.
  • Eine der beeindruckendsten Gestalten des Mittelalters ist Eleonore von Aquitanien, ihrem Leben kann man sich mit dem Buch “Die Löwin von Aquitanien: Historischer Roman” von Tanja Kinkel unterhaltsam nähern.

Und natürlich ist die Website des Französischen Fremdenverkehrsamtes (www.france.fr) eine reiche Quelle von Inspiration und Information. Merci beaucoup.