Turmhügelburg Lütjenburg

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Die Motte © Heinrich Ripke / Turmhügelburg Lütjenburg
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Speicher und Gesindehaus © Heinrich Ripke / Turmhügelburg Lütjenburg
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Kochen am offenen Feuer © Heinrich Ripke / Turmhügelburg Lütjenburg
Adresse
24321 Lütjenburg
Schleswig-Holstein
Deutschland

Karte
Wissenswertes über Turmhügelburg Lütjenburg

Lesezeit: 4 min

Die Turmhügelburg Lütjenburg ist der Nachbau einer mittelalterlichen Wehranlage, wie sie während der Zeit der Christianisierung der Slawen in der Region Wagrien (östliches Schleswig-Holstein), etwa auf den heutigen Kreisgebieten Plön und Ostholstein um das 12. und 13. Jahrhundert bestanden haben.

Zu dieser Zeit wurde das ursprünglich von Slawen besiedelte Gebiet von sächsischen Rittern und ihren Gefolgsleuten in Besitz genommen und durch Wehrbauten geschützt. Sie befestigten ihre Rittersitze mit kleineren Burgen des Typs château à motte, Turmhügelburgen, meist in Niederungen an Bächen oder Seeufern gelegen. Von den 350 in Schleswig-Holstein erfassten Turmhügelburgen existieren heute nur noch Reste der Erdbauwerke. Im Umkreis von Lütjenburg gibt es nachweislich 11 solche Standorte. Sie wurden mancherorts die Keimzellen der heutigen Adelsgüter der Region.

Die Turmhügelburg Lütjenburg ist keine Rekonstruktion auf den Resten eines historischen Standortes, sondern ein kompletter Nachbau an einem nach historischen Gesichtspunkten neu ausgewählten Platz. Die Bauplanung und Ausführung erfolgte in enger Abstimmung mit dem Archäologischen Landesamt in Schleswig. Seit Mai 2010 ist die Turmhügelburg offiziell vom Kultusministerium in Kiel als Museum anerkannt.

Zum Gesamtensemble gehört neben der Motte, dem eigentlichen Wehrturm im Zentrum, auch die Vorburg. Hier befinden sich Gebäude, die für Bewirtschaftung der Anlage oder für die Versorgung der Burgbewohner nötig sind.

Bei Konstruktion und Erstellung der Motte und den einzelnen Gebäuden der Vorburg flossen archäologische Erkenntnisse aus den Grabungen der Burganlagen vom kleinen Schlichtenberg und großen Schlichtenberg ein. Weitere Vorbilder ergaben sich aus der Darstellung einer Motte auf dem Teppich von Bayeux und eines mittelalterlichen Wohnturms auf einem Aquarell von Albrecht Dürer. Zusätzlich wurde, sofern möglich, auf historische Techniken zurückgegriffen, und vor Ort Baumaterialien wie Eichenholz und Lehm gewonnen.

Die Motte als drei Meter hoher Burghügel mit dem Zufluchts- und Wehrturm ist von einem kreisrunden, durchschnittlich 1,5 m tiefen und ca. 7,5 Meter breiten Wassergraben umgeben. Der Zugang wird durch eine Holzbrücke gebildet. Der palisadengeschützte Wehrturm besteht aus Eichenholz in Ständerbauweise. Steinerne Bauten waren im Hochmittelalter in der Region noch nicht verbreitet. Nachgewiesen in Schleswig-Holstein sind lediglich die Ruinen der Burgen Linau und Glambek. Der mehrgeschossige, fast vierzehn Meter hohe Turm hat eine Grundfläche von sechs mal sechs Metern. Oben verfügt er über eine überdachte, zu allen Seiten offene Plattform. Als konstruktives Vorbild diente der spätmittelalterliche Glockenstapel der St.-Marien-Kirche von Norderbrarup. Im Hinblick auf die bequemere Erschließung wurde jedoch anstelle des damals üblichen Hocheingangs mit einziehbarer Holzleiter ein ebenerdiger Zugang geschaffen.

In der die Motte umgebende Vorburganlage befindet sich ein Gesindehaus. Vorlage für dieses Wohn-und Stall-Gebäude aus Holz und Lehmflechtwerk ist die zeichnerische Aufnahme eines Gebäudes um 1000 aus Schuby bei Schleswig. Das benachbarte Wirtschaftsgebäude stellt das größte Haus des Burgkomplexes dar, für seinen Bau dienten die Reste des Hallenhauses auf der Burg Großer Schlichtenberg als Vorbild.

Ein weiteres Gebäude ist das sogenannte Haus des Ritters, das als Darstellung des Wohngebäudes der Burgherren zu den aufwändigsten Bauten der Anlage gehört. Es verfügt bereits über Glasfenster und ein Hypokaustum (Heizanlage). Letztere ist auch historisch über Ausgrabungsfunde von der Burg Großer Schlichtenberg belegt. Im südwestlichen Winkel der Burganlage befindet sich außerdem ein kleiner Kapellenbau, der nach dem Vorbild der Kapelle von Fuhlenhagen, einer der ältesten Fachwerkkirchen Norddeutschlands, errichtet wurde.

Zu den weiteren Gebäuden der Vorburg gehören ein auf niedrigen Pfählen stehender Getreidespeicher, ein Backhaus, ein Bienenhaus, eine Schmiede und ein sechs Meter tiefer Ziehbrunnen, dessen Aufbau sich ebenfalls an Grabungsbefunden von der Burg auf dem Großen Schlichtenberg orientiert hat.

Die Burganlage wird als Freilichtmuseum betrieben und ist von April bis Oktober Di-So durchgehend geöffnet. Besuchseinschränkungen gibt es in den Wintermonaten. Es werden auch Führungen angeboten. Die Gebäude werden hauptsächlich in Sommermonaten, von Mittelaltergruppen in historischer Kleidung belebt und mit zeitgemäßen Werkzeugen und Gerätschaften betrieben. Die Anlage ist Austragungsort verschiedener größerer und kleinerer Veranstaltungen. Dabei wird Wert auf historisch möglichst korrekte Darstellungen gelegt. In der Kapelle der Burganlage können nach Absprache Trauungen durchgeführt werden.

Weitere Informationen zu der Anlage sowie zu Terminen, Führungen, Veranstaltungen und Burgbelebungen unter www.turmhuegelburg.de

Wir danken den Verantwortlichen der Turmhügelburg Lütjenburg für Texte und Photos. Die Bildrechte liegen dort.
Eintrittspreise
Der Verein freut sich über eine Spende am Burgeingang.

SONDERÖFFNUNGSZEITEN / EINTRITTSPREISE:
Zu den Veranstaltungen beachten Sie bitte die Sonderöffnungszeiten und die Eintrittspreise, wie im Terminkalender oder in den Medien angegeben.

Hunde dürfen mit auf das Gelände, aber sie möchten an der Leine geführt werden.
(Stand 2021)
Öffnungszeiten
Besichtigungen inkl. Innenbereich der Gebäude:
Von April bis Oktober
Dienstag bis Sonntag von 11:00h bis 17:00h.
Montags Ruhetag
(Stand 2021)

Alle Angaben ohne Gewähr. Öffnungszeiten können sich ändern. Bitte überprüfen Sie diese kurzfristig auf der Website.
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