Kloster Maulbronn: Ergebnisse der Grabungen an der Klosterkirche

Aus den historischen Quellen wusste man es bereits: Am südlichen Querhaus der Maulbronner Klosterkirche stand bis ins 19. Jahrhundert ein Gebäude. Jetzt konnten bei einer Grabung die Grundmauern aufgedeckt werden. Die Reste sind so gut erhalten, dass sich sogar fundiert Rückschlüsse auf die Funktion des Bauwerks im Mittelalter ziehen lassen.

Funde aus der Geschichte der Klosterkirche

„Der Boden und die Mauern im UNESCO-Denkmal Maulbronn bergen an jeder Stelle die Spuren der jahrhundertealten Geschichte des Klosters.“ Darauf wies Michael Hörrmann, der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, bei einem Ortstermin in der Grabung an der Klosterkirche hin. Zusammen mit Holger Probst vom Amt Pforzheim von Vermögen und Bau Baden-Württemberg und Dr. Folke Damminger als Vertreter des Landesamtes für Denkmalpflege präsentierte er die Ergebnisse der Grabung an der Außenwand des südlichen Seitenschiffs der Kirche.

Arbeiten an der Südseite der Kirche als Ausgangspunkt

Die Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten im UNESCO-Denkmal sind ein Großprojekt in vielen Etappen. Allein die Arbeiten an der Klosterkirche beschäftigten die Spezialisten im Zeitraum von 2000 bis 2013. Zum Abschluss sollte nun noch eine freie Fläche an der Südseite der Kirche hergerichtet werden. Während der Bauarbeiten hatten hier Bauhütten, Gerüste und Kräne gestanden. Allgemein bekannt war, dass dort ein Begräbnisplatz war, daher auch der Name „Kirchhöfle“. Der Friedhof ist schon lange aufgelöst: Er wurde 1811 auf staatliche Anordnung hin geschlossen. Aus Gemälden, Plänen und Archivalien war bekannt, dass direkt an das südliche Querhaus der Kirche einmal ein Gebäude angebaut war, das im 19. Jahrhundert abgebrochen wurde. Bis heute sieht man an der Außenwand der Kirche Spuren davon: Sie stammen eindeutig von zwei unterschiedlichen Dächern.

Mauerzüge im Boden unter dem Rasen

Im Spätsommer stieß die Landschaftsbaufirma, die mit den Arbeiten beauftragt war, knapp unter der Oberfläche auf Mauern. Michael Hörrmann erklärte beim Ortstermin an der Klosterkirche: „Dass man wahrscheinlich auf Funde der verlorenen Bauten stoßen würde, war allen Beteiligten klar. Wir haben deshalb alle mit großer Spannung den Fortgang der Arbeiten verfolgt.“. Daher wurden auch sofort die Archäologen des Landesamtes für Denkmalpflege hinzugezogen. Erkennbar sind jetzt die freigelegten Grundmauern und Bodenplatten eines größeren Gebäudes im östlichen Bereich der Grabung und die Mauern eines kleineren Baus, westlich daran anschließend. In den historischen Quellen ist – zumindest für den größeren Anbau – überliefert, welche Funktion er hatte: Er wird als Sakristei-Anbau bezeichnet. Errichtet wurde er nach der Einschätzung der Fachleute in der Zeit um das Jahr 1300. Eine Vertiefung und ein Gewölbe auf der Westseite deuten darauf hin, dass hier vielleicht ein Grab war.

Eine Grabkapelle für zwei Bischöfe

Um noch mehr Klarheit über die Funde zu erlangen, zogen die Staatlichen Schlösser und Gärten und das Amt Pforzheim den renommierten Bauforscher und Klosterspezialisten Dr. Ulrich Knapp hinzu. Er spricht in seiner detaillierten Expertise zu den Grabungsfunden von einer Grabkapelle des 13. Jahrhunderts, die hier an den Arm des Querschiffes angebaut war. Seine These: Der Bau der Grabkapelle stehe im Zusammenhang mit zwei Grabmälern, die damals neu gestaltet wurden – die für die Speyrer Bischöfe Ulrich I. und Konrad. Er sieht den Neubau als demonstrativen Akt im Auftrag der Bischöfe von Speyer, die damit ihren Anspruch als Herren in Kloster Maulbronn zeigen wollten: Sie waren aus einem Streit mit den örtlichen Adeligen, den Herrn von Enzberg, um die Vogteigewalt über Maulbronn als Sieger hervorgegangen. Der Anbau mit den Gräbern zweier Bischöfe wäre damit ein gebautes Zeichen für die enge Verbindung von Kloster und Bischof. Zu einer späteren Zeit, als die Grabmäler ihre politische Bedeutung verloren hatten, habe man die Grabkapelle zur Sakristei umgewidmet, folgert Ulrich Knapp.

Das Beinhaus des Friedhofs

Der westliche, kleinere Gebäudeteil wurde zu einem späteren Zeitpunkt angebaut. Er diente als Beinhaus, also als das Gebäude, in dem die Knochen aus aufgelösten Gräbern verwahrt wurden. Wann die beiden Anbauten verschwanden, weiß man aus den Akten: Das Beinhaus wurde bereits 1813 abgebrochen, 1841 dann auch der größere Sakristei-Anbau.

Mauerverlauf wird künftig durch Markierung sichtbar sein
Was passiert mit den Grabungsfunden? Zum Schutz der Funde und da die Zufahrt zum Ephoratsgarten über diese Stelle erfolgen muss, werden die Grabungsfunde nach abgeschlossener Untersuchung und Dokumentation wieder überdeckt. Die Mauerstruktur soll mit einem Materialwechsel im Belag sichtbar gemacht werden. „Und natürlich werden diese Funde aus der Bau- und Nutzungsgeschichte auch in die Führungen der Staatlichen Schlösser und Gärten im Kloster mit einfließen“, erklärte Geschäftsführer Michael Hörrmann zum Abschluss.

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