Die Burgen der Katharer


Tipps & Termine

Reisezeit
Burgen, Schlösser & Gärten besucht man am besten zwischen Mai und Ende August. Generelle Öffnungszeiten für die Objekte sollte man IMMER separat recherchieren, da jede Location ihr eigenes „Süppchen kocht“. Wir standen Mitte September vor etlichen verschlossenen Türen.

Reiseführer
Empfehlungen zur Reise-Vorbereitung (Links gehen zu Amazon.de): Frankreich – Der Südwesten DuMont Kunst-Reiseführer, gefolgt von Land der Katharer – Entdecken (Allemand). Für viele der Sehenswürdigkeiten im Katharer-Land bekommt man ermäßigten Eintritt, wenn man den Katharer-Pass erwirbt. Er kostet 2 €, ist ein Jahr gültig und man erhält vergünstigten Eintritt zu 20 Sehenswürdigkeiten.

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Die Tragödie der Katharer

Das Schicksal der Glaubensgemeinschaft der Katharer ist sicher eines der dunkelsten und tragischsten Kapitel im Mittelalter und man ist regelrecht erschüttert, wenn man sich mit den Geschehnissen und den einzelnen Schicksalen beschäftigt. Es war eine Zeit der Verfolgung – Menschen wurden gejagt, gefoltert und oft lebendig verbrannt.

Die Kartharerburg Aguilar im Départment Aude im Süden Frankreichs
Die Kartharerburg Aguilar im Départment Aude im Süden Frankreichs

Das Land der Katharer liegt im Südwesten Frankreichs, teilweise waren auch der Norden Spaniens und Gebiete in Deutschland und Italien in die Konflikte einbezogen. Die Glaubenslehre breitete sich von der Stadt Albi aus und man spricht daher auch von den Albigensern. Der Begriff „Katharer“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „die Reinen“. Geprägt wurde der Begriff allerdings von den Gegnern der Glaubenslehre und wurde zuerst 1163 vom deutschen Mönch Eckbert von Schonau verwendet.

Was man heute über die Katharer weiß, stammt größtenteils aus kirchlichen Quellen – aus theologischen Schriften und vor allem aus den Protokollen der Inquisition, die die Katharer als Häretiker, also als Ketzer, verfolgen ließ.
Nach Ansicht der Vertreter der katharischen Glaubenslehre war die katholische Kirche dem Teufel verfallen und sie sahen sich selbst als die wahren Nachfolger der Apostel an. Die Katharer hatten eine dualistische Weltanschauung und gingen davon aus, dass alles Materielle böse, also des Teufels war, und die gute Dinge bei Gott zu suchen waren. Das Ziel war daher, die Seele des Menschen in den Himmel zu bringen.

Es gab bei den Katharern verschiedene Anschauungen und unterschiedliche Glaubensinterpretationen, gemeinsam lehnten aber alle das Alte Testament ab und das Johannesevangelium aus dem Neuen Testament spielte eine wichtige Rolle. Die Katharer waren straff organisiert und wurden von einer Führungselite, den sogenannten Vollkommenen, geleitet. Diese hatten eine Taufe, das Consolamentum, empfangen und sich zur Keuschheit verpflichtet. Darüber hinaus führten sie ein streng asketisches Leben: Sie verzichteten auf Fleisch und waren dem Fasten sowie der Arbeit verpflichtet.

Château de Villerouge-Termenès, Seitenansicht
Château de Villerouge-Termenès, Seitenansicht

Diese Elitegruppe war das vorrangige Ziel der Inquisition und des Kreuzzuges, zu dem Papst Innozenz III. im Jahr 1208 aufrief, nach dem zuvor sein Unterhändler Pierre de Castelnau ermordet wurde.

Die Katharer erfreuten sich der Unterstützung der Bevölkerung und des Adels und konnten ihren Glauben bis zum Albigenserkreuzzug (1209 – 1229) relativ frei und öffentlich praktizieren. Dieses Wohlwollen trug mit dazu bei, dass es im Lauf des Kreuzzuges und der Kämpfe zu fast unvorstellbaren Greueltaten kam.

So weigerte sich im Jahr 1209 die Burg & Stadt Carcassonne die Katharer auszuliefern, worauf es zu einem Gemetzel an der Bevölkerung kam und an einem Tag rund 20.000 Menschen den Tod fanden. In der Magdalenen-Kirche sollen 7.000 Menschen ums Leben gekommen sein. Dabei wurde keine Rücksicht genommen, ob es sich bei den Ermordeten tatsächlich um Katharer handelte. Dem Zisterzienser Abt Arnold-Amaury, der auch der geistige Führer des Kreuzzugs war, wird das Zitat zugeschrieben: „Tötet sie alle! Gott wird die Seinen schon erkennen.“

Auch die Stadt Béziers wurde komplett zerstört, weil sie sich weigerte, die Katharer an die Kreuzfahrer auszuliefern. Ähnlich erging es vielen weiteren Städten und Dörfern in Okzitanien, der südfranzösischen Landschaft nördlich der Pyrenäen.

Peyrepertuse, Verteidigungsanlagen
Peyrepertuse, Verteidigungsanlagen

Nach dem ersten Kreuzzug war die Glaubensgemeinschaft der Katharer schwer getroffen. Viele Anhänger wurden getötet oder sind geflohen, die Zeit der freien Religionsausübung war definitiv vorbei. Auch entlegene, schier uneinnehmbar erscheinende Festungen, wie zum Beispiel Burg Termes im Kartharerland oder das Château de Durfort, wurden belagert und zerstört.

Viele derjenigen Katharer, die noch am Leben und in Freiheit waren, zogen sich auf die Festung Montségur zurück, die zur letzten Bastion der Bewegung wurde. Doch auch dieser letzte Rückzugsort wurde nach langer Belagerung erobert und zerstört. Durch die Verbrennung von 200 Katharern am 16. März 1244 war die katharische Kirchen-organisation am Ende.

Nach dem Fall von Montségur gelang es einigen Anhängern noch auf die Festung Quéribus zu fliehen. Doch auch diese Burg, die in einem entlegenen Tal hoch oben auf einer Felsspitze thront, hielt einer längeren Belagerung nicht stand und fiel im Jahr 1255. Und damit war die letzte Bastion der Katharer gefallen – der letzte Katharer wurde im Jahr 1321 in Villerouge-Termenès wegen Verrats verhaftet und lebendig verbrannt.

Bewegt man sich durch Okzitanien, ist die Geschichte der Katharer noch sehr lebendig und man findet überall Spuren aus der Vergangenheit. Der Tourismus hält sich in der ganzen Region aber noch sehr in Grenzen und man kann wunderbar durch wunderschöne Gebiete wandern oder radeln.

Man findet im Katharerland ganz unterschiedliche Landschaften: bunte Blumenwiesen oder mit Ginster bewachsene Berghänge wechseln sich mit vom Wind zerzausten Nadelbäumen ab.

Carcassonne, Blick auf die Stadtmauer
Carcassonne, Blick auf die Stadtmauer

Man ist umgeben von schroffen Felswänden und Berggipfel und man überlegt sich ständig, ob vor einem ein Felsmassiv oder Reste einer Burg aufragen. Und wenn man denkt, dass man jetzt wirklich in einer menschenleeren Gegend angelangt ist, fernab jeder Zivilisation, taucht doch wieder ein Weinberg auf, wo Trauben angebaut werden – in erster Linie für den Rotwein der Corbièren.

Über allem thronen im Hintergrund die Gipfel der Pyrenäen, die noch bis in den Frühsommer Schnee bedeckt sind.

Die Region ist sehr dünn besiedelt und es gibt wenige Zentren mit grösseren Supermärkten oder auch Tankstellen. Man sollte vor einer Tour in die Berge möglichst für einen vollen Tank sorgen, da man nicht unbedingt davon ausgehen kann, dass man unterwegs Benzin erhält.

Lediglich die Zitadelle in Carcassonne ist ein wahrer Touristenmagnet, aber auch hier lohnt sich ein Besuch unbedingt. Aus der Ferne betrachtet sieht die Anlage mit ihrer Wehrmauer wie ein Märchenschloss aus und man fühlt sich in die Zeit des Mittelalters zurück versetzt.

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