Lesetipp: „Preis der Macht “ von Sabine Ebert

Im spektakulären Finale der fünfbändigen Reihe um den Aufstieg Friedrich Barbarossas im 12. Jahrhundert werden nun endlich alle Erzählstränge und Schicksale aus 3.000 Seiten zu Ende erzählt. Ein halbes Jahrhundert und fünf Bücher lang folgten wir einem gnadenlosen Kampf um die Macht: Gewinner und Verlierer - wer wird sich am Ende behaupten und wem haben wir unsere Gunst geschenkt?

Buchtitel Preis der Macht von Sabine Ebert©Knaur Verlag
Buchtitel Preis der Macht von Sabine Ebert©Knaur Verlag

Knaur Verlag (gebundenes Buch)
ISBN: 978-3426227107
Preis 19,99 €
Historische Romane

Ersterscheinung: 02.11.2020

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Italien im Jahr 1167 Vor den Toren Roms hatte uns Sabine Ebert am Ende des 4. Bandes zurück gelassen: Friedrich Barbarossa, seine Familie und sein Heer inmitten eines gescheiterten Feldzugs und einer um sich greifenden Seuche. Wichtige Vertraute sind gestorben und weitere würden folgen. Mit List und Ausdauer kann der Kaiser mit Beatrix und den Kindern entkommen, doch auch nördlich der Alpen findet er keinen Frieden: Immer wieder Heinrich der Löwe! Oft hat Friedrich ihm verziehen - aber jetzt stellen sich fast alle Fürsten gegen den Welfen. Die Ehe mit der englischen Prinzessin Mathilde lässt dessen Stolz ins Unermessliche wachsen und nun hat er die ebensolchen finanziellen Mittel.

Die Autorin lässt uns die Geschichte aus der Perspektive der Fürsten erleben, ihre Intrigen und Bündnisse, Kriege und Hoftage. Besonders werden die Romane aber durch den Raum, den Sabine Ebert deren Frauen einräumt. Schon aus den ersten Bänden kennen wir Mutter und Ehefrau des Bären: Elika  und Sophie. Kaiserin Richenza und Uta von Calw waren ebenfalls wichtige Persönlichkeiten im Reich.

Jetzt empfehlen sich Kaiserin Beatrix und die Fürstinnen Mathilde und Hedwig unserer Aufmerksamkeit -  und sie verdienen sie! Die Zeit ließ ihnen nur die Rolle als ergebene Ehefrau und Mutter, doch im Hintergrund schmiedeten sie Allianzen und glätteten Wogen. Dafür wurden sie erzogen: Ihre Bildung war oft höher als die ihrer Männer und trotzdem mussten sie ein Leben lang hinter ihren Gatten zurückstehen oder wurden bei Bedarf (oder fehlender Fruchtbarkeit) einfach aussortiert.

Gewohnt detailreich werden die politischen Verwicklungen erzählt - wer in der Menge der handelnden Personen den Überblick verliert, dem sei zum Verständnis das umfangreiche Begleitmaterial mit allen wichtigen Stammbäumen im Nachwort empfohlen.

Sabine Ebert schreibt in ihrem Nachwort, sie wolle keinem Kaiser oder Fürsten ein Denkmal setzen. Der Stauferkaiser Friedrich Barbarossa und sein Vetter und enger Vertrauter Heinrich der Löwe stehen im Zentrum dieser gut recherchierten Erzählung. Auch wenn man zuweilen mit ihnen mit fiebert und um sie bangt (sie sind komplexe Persönlichkeiten und Kinder ihrer Zeit) - vieles bleibt uns heute unverständlich. Ihre Familie, ihre Ehre und ihre unglaubliche Gier nach Macht und Besitz prägte ihr Leben. Die Folgen für andere, Schwächere, spielten keine Rolle.

Eindringlich wird beschrieben, wie Philipp von Heinsberg - immerhin Erzbischof von Köln - 4.000 Brabanzonen gegen die welfische Stadt Haldensleben führt. Heimsuchung und Terror in den betroffenen Landstrichen durch dieses Söldnerheer waren unbeschreiblich, selbst Auftraggeber Philip hatte panische Angst vor diesen "seinen" Männern.

"Ich hatte nie vor, mit diesen Romanen nur eine Lovestory oder ein Abenteuer vor historischer Kulisse zu erzählen. Mir geht es stets um ein Stück deutscher Geschichte. Ich möchte unsere Geschichte lebendig werden lassen - so nah an den Quellen und Fakten, wie es im Roman möglich ist, dennoch fesselnd, aufwühlend und hochemotional. Ganz gleich, ob meine Bücher im deutschen Hochmittelalter spielen oder um 1813, die Grundlage bilden stets die tatsächlichen historischen Ereignisse. Alles Fiktive muss sich einfügen." so schreibt die Autorin.

Die erfundene Szene der im Dogenpalast mit Geschirr um sich werfenden Kaiserin ist auf jeden Fall sympathischer als die historisch wahre Szene, in der sie der Zerstörung einer Stadt lachend zuschaut. Und ihre Erklärung für den berühmten "Kniefall vor Chiavenna" ist so eine so wahrscheinliche Beschreibung, dass man hier nach "Ockhams Rasiermesser" (von mehreren möglichen Erklärungen für ein und denselben Sachverhalt ist die einfachste Theorie die wahrscheinlichste) denken muss: "Natürlich, nur so kann es gewesen sein!"

Dieses 467 Seiten starke Buch endet mit dem Sterben Heinrichs des Löwen auf seiner Burg Dankwarderode in einem Epilog, 15 Jahre nach dem Ende der Haupthandlung. Auf 11 Seiten werden die Geschehnisse der letzten Jahre zusammengefasst: Die Feinde Heinrichs sind verstorben, ihre Nachfolger jämmerliche Versager. Auch sein Vetter Kaiser Friedrich Barbarossa ist tot, ebenso seine geliebte Mathilde. Aber sein Sohn Otto soll der erste Welfenkaiser werden! Ein später Triumph des Löwen über alle Neider und Gegner!

Nun sind 15 Seiten für 11 Jahre Geschichte ein Parforceritt in einem sonst atmosphärisch unglaublich dichten Buch, da hätte man doch noch gut noch einen weiteren Band ... oder gar noch zwei …

Neidisch blickten wir bis jetzt nach England mit seiner Fülle an historischen Romanen über Könige und Königinnen, den Rosenkrieg u.v.m. - gleichzeitig spannend und lehrreich. Endlich haben wir ein Epos, welches uns mit der gleichen Exzellenz durch das deutsche Mittelalter führt. Mit traurigem Gefühl, wenn etwas liebgewonnenes zu Ende geht und man hätte doch gerne noch mehr, legt man "Preis der Macht" aus der Hand.

Sabine Ebert hat wohl vorausgeahnt, dass ihre Fangemeinde noch gerne mehr über die Jahre bis zu Barbarossa Tod und den Ereignissen der anderen Hauptpersonen erfahren hätte. Sie empfiehlt für diesen Fall den 4. und 5. Band ihrer ebenfalls hochgelobten "Hebammensaga". Teile der beiden Buchreihen laufen parallel. Und die beiden genannten Bände schließen nahtlos an das hier vorgestellte Buch an.

Ein schwacher Trost, aber immerhin ein Trost - überbrücken wir so nicht nur die fehlenden Jahre in Barbarossas Leben, sondern auch die Zeit bis Sabine Ebert uns auf eine neue Reise nimmt - egal in welches Jahrhundert.

Über die Autorin:

Sabine Ebert war als Journalistin und Sachbuchautorin tätig und begann aus Passion für deutsche Geschichte historische Romane zu schreiben - allesamt wurden zu Bestsellern.
Ihr Debütroman „Das Geheimnis der Hebamme" wurde von der ARD als Event-Zweiteiler verfilmt und in einer umjubelten Theaterfassung auf der Felsenbühne Rathen uraufgeführt.

Mit dem Romanzyklus „Schwert und Krone“ kehrt sie in die Zeit zurück, mit der sie Millionen von Lesern für unsere Geschichte begeistern konnte. Sabine Ebert lebt und arbeitet nach vielen Jahren in Freiberg und Leipzig nun in Dresden.

Sie wollen sich mit weiterem Lesestoff eindecken?

Hier finden Sie die weiteren Bände der Barbarossa -Saga von Sabine Ebert: