Lesetipp: „Der grosse Muntprat“ von Chris Inken Soppa

Buchtitel-Der-grosse-Muntprat-von-Chris-Inken-Soppa-©-Südwest-Verlag
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Südwest Verlag (gebundenes Buch)
Preis 24,00€
Historische Romanbiografie

ISBN: 978-3-87800-129-4
Ersterscheinung: 01.03.2020

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Lütfrid Muntprat, geboren um 1383, war Konstanzer Fernkaufmann und Weltbürger. Seine Lehrjahre verbrachte er in Barcelona, wo er Menschen anderer Herkunft, anderen Glaubens, anderer Sprache kennenlernte. Früh verantwortlich für Familie und Unternehmen, bereiste „Der große Muntprat“ bald halb Europa. Der Handel mit Leinwand, Korallen, Safran machte ihn wohlhabend und einflussreich. Immer wieder zog es Lütfrid in die Heimat. Spuren von ihm finden sich natürlich in Konstanz und Schwaben, aber auch im Thurgau und Rheintal.
Sorgfältig recherchiert, zeichnet die fesselnde Romanbiografie Leben und Wirken Lütfrids nach, erzählt von seinen gefährlichen Reisen, von seiner Familie, Freunden und Feinden, von politischen wie zünftischen Unruhen, von der Fremde und der Rückkehr in die vertraute Welt.

Auf über 500 Seite folgen wir dem Weg des Kaufmanns aus Konstanz, begegnen bekannten Persönlichkeiten wie Cosimo de' Medici, später genannt "der Alte" auch wenn er hier noch am Anfang seiner Karriere steht, Oswald von Wolkenstein, Ritter und Diplomat des Kaisers Sigismund, dazu Dichter und Sänger und folgen Jan Hus, dem böhmischen Theologen, Prediger und Reformator auf seinem Weg zum Scheiterhaufen. Dessen wertloser Geleitbrief des Kaisers trübt auch in den kommenden Jahren immer wieder das Vertrauen Lütfrids zu seinem Kaiser.

Es braucht etwas Zeit um in das Buch einzutauchen, die Kindheit ist wenig aufregend, doch wenn man sich ein wenig vorgearbeitet hat, nimmt die Geschichte an Fahrt auf.

Man mag sich heute kaum vorstellen, wie gefährlich Reisen damals waren. Von Süddeutschland nach Barcelona gilt heute als Wochenendtrip, im 14. Jahrhundert war es Unterfangen von Monaten - wenn man Glück hatte auf einem Reittier oder Wagen, oft aber auch zu Fuß. Zu den Gefahren für Leib und Leben auf der Strasse kommen Fremde mit Rechten aus Schadlosbriefen, trügerische Gastgeber und wenn man nicht den richtigen Schutzbrief dabei hat Überfälle von Raubrittern. Alle haben es nicht nur auf das Leben des Reisenden abgesehen, sondern vor allem auf dessen kostbare Ware.

Doch auch daheim in Konstanz findet man keine Ruhe. Familiäre Streitereien, innerstädtische Kämpfe zwischen Zünftigen und Geschlechtern und Lütfrid Muntprat als reichster Bürger der Stadt immer mitten drin.

Warum zieht einen dieses Buch so in seinen Bann, dass man es kaum aus der Hand legen möchte?
500 Jahre sind vergangen und vieles ist uns heute fremd. Manches kennen wir aus Sprichwörtern wie "Jedes Kind ein Zahn" für Mütter und doch könnten viele der beschriebenen Ereignisse heute ähnlich in den Tageszeitungen stehen.

Der Kaiser verbietet den Handel mit Venedig, da läßt sich doch ein vertrauenswürdiger Mittelsmann finden über den man auch weiter die begehrten Produkte handeln kann. Einer der reichsten Männer der Zeit hat Angst um sein Seelenheil und seinen Ruf und gründet deshalb wohltätige Stiftungen und investiert in Immobilien mit Möglichkeit zum Weinanbau. Auseinandersetzungen zwischen den "Früher war alles besser, deshalb lassen wir es so wie es ist" und den "Wirtschaft darf von nichts und niemanden behindert werden" sind immer noch aktuell und die meiste Aufmerksamkeit bekommen die, die am lautesten schreien und nicht unbedingt die Akteure die mit Argumenten einen Ausgleich versuchen.

Lütfrid Muntprat war ein Kind seiner Zeit und mit der Hilfe der Autorin Chris Inka Soppa können wir ein wenig auf seinen Spuren durch das ausgehende 14. Jahrhundert wandeln. Und wenn wir durch Konstanz spazieren, steht dort immer noch das "Kaufhaus" am Ufer und in der Münzgasse finden wir noch heute das Versammlungshaus "Zur Katz". Sogar Lütfrid würde sich vielleicht ein wenig heimisch fühlen.

Über die Autorin:

Chris Inken Soppa wurde 1966 in München geboren, wuchs in Friedrichshafen auf und lebt heute in Konstanz. Nach dem Studium der Anglistik und Romanistik an der Universität Konstanz und am Trinity College in Dublin war sie als Nachrichtenredakteurin tätig und von 2004 bis 2009 als Koordinatorin der Konstanzer Internationalen Sommerschule für Literaturwissenschaft. Chris Inken Soppa arbeitet als Übersetzerin und gehört seit 2012 der Meersburger Autorenrunde an. Sie hat mehrere Romane veröffentlicht und zusammen mit dem Grafiker und Illustrator Ralf Staiger ein Künstlerbuch und ein historisches Kinderbuch herausgebracht.

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