Lesetipp: „Burgund – das verschwundene Reich“ von Bart Van Loo

Burgund - Bart Van Loo © C.H. Beck Verlag
Burgund - Bart Van Loo © C.H. Beck Verlag

Verlag C.H.Beck (gebundenes Buch)
Preis 32,00€

ISBN: 978-3-406-74927-8
Ersterscheinung: 16.03.2020

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Das mächtige Reich Burgund, das sich im 14. und 15. Jahrhundert zwischen Deutschland und Frankreich schob, vereinte spätmittelalterliche Hochkultur mit einer Blüte von Renaissance und Humanismus. Bart Van Loo erzählt die Geschichte des Reiches von der Antike bis zu seinem plötzlichen Untergang um 1500 so spannend, dass sich dem Leser die Welt der Ritterturniere und Stundenbücher, der Herzöge und Handelsstädte, die Welt Jan van Eycks und François Villons unvergesslich einprägt.

Was verbinden Sie mit dem Begriff Burgund? Den vorzüglichen Wein? Und waren es nicht Burgunder in der Nibelungensage, aber spielte die Geschichte nicht in Worms am Rhein? Und dann sind da noch die spitzen, kegelförmigen Kopfbedeckungen mit langem herabhängenden Schleier - die sogenannten burgundischen Hauben - heute unverzichtbarer Bestandteil jedes Prinzessinnenkostüms für Kinder im Karnaval. Und wie gehört das alles zusammen?

Bart Van Loo präsentiert uns seine Geschichte Burgunds vom antiken Königreich Burgund bis zum mittelalterlichen Herzogtum, das durch seine Klöster ein einflussreiches religiöses Zentrum und Ausgangspunkt bedeutender Klosterreformen im Mittelalter war. Die Benediktiner in Cluny besaßen zeitweise das größte Gotteshaus des Christentums und Cîteaux, das Mutterkloster aller Zisterzienser wurde als Reaktion auf die ihrer Meinung zu lasche Lebensweise eben dieser Benediktiner errichtet. Der Einfluss beider Orden strahlte weit über die Grenzen Burgunds hinaus.
Der Erste Abschnitt des Buches deckt nicht weniger als die ersten 1.000 Jahren der Geschichte Burgunds ab.

Das "burgundische Jahrhundert" ist die Zeit der Herzöge von Valois-Burgund aus einer Nebenlinie des französische Königshauses. Ca. Mitte des 14. Jahrhunderts bis Mitte des 15. Jahrhunderts entstand ein glanzvolles Reich von Dijon im Süden bis nach Antwerpen und Amsterdam im Norden. Die wirtschaftlich florierenden Städten Gent, Brügge, Ypern und Löwen machten die Burgunderherzöge durch ihre Abgaben zu den reichsten Monarchen Europas und die Prachtentfaltung an ihrem Hof war und ist legendär. Die Stiftung des Ritterordens vom Goldenen Vlies war Ausdruck ihres Selbstverständnisses und Ausdruck einer höfischen Kultur, die sich ganz Europa zum Vorbild nahm.

Auch die Kunst erlebte Großes: Jan van Eyck, dessen Genter Altar mit der „Anbetung des Lamm Gottes” seit 1432 in der St.-Bavo-Kathedrale zu bestaunen ist, wird seit dem Jahr 2012 aufwendig restauriert und ist hoffentlich bald wieder zu sehen. Der Zahn der Zeit, dreizehn Verbrechen und sieben Diebstähle erforderten diese umfangreiche Aufarbeitung. Claus Sluter schuf das gewaltige Figurenprogramm der herzoglichen Grablege in der Kartause von Champmol bei Dijon, die begeisterten Beschreibungen des Autors machen große Lust auf eine Besichtigung.

Vier Herzöge waren es die diese Zeit prägten, alle mit klangvollen Beinamen: Philipp der Kühne, Johann Ohnefurcht, Philipp der Gute und Karl der Kühne. Mit der Hochzeit von Karls Tochter und Erbin Maria mit Maximilian von Österreich fiel das reiche Burgund an die Habsburger. Der französische König Louis XI. erklärte daraufhin das Herzogtum Burgund und die einige Grafschaften zu heimgefallenen Lehen und besetzte die Gebiete. Die sogenannten niederen Lande blieben bei Maria und ihrem Bräutigam, dem „letzten Ritter“. Ihr Enkel Karl V, geboren in Gent sollte später über ein Reich herrschen, in dem die Sonne nie untergeht.

Auf über 600 Seite verfolgen wir das auf und ab der Geschichte, lassen uns von dynastischen Verbindungen verwirren - der Name Marguerite war so unglaublich populär unter den Frauen jener Zeit - und versuchen zu verstehen, was es wohl für die Bewohner der beherrschten Lande bedeutet haben muss, wenn mal wieder Steuern erhoben wurden, ob es für eine prächtige Fürstenhochzeit oder einen Krieg war - in jedem Fall nichts gutes. Glücklich war man wenn die Dämme hielten, die Ernte sicher war und die plündernden Kriegshorden woanders wüteten. Und immer wieder das widerspenstige Gent, ein ewiger Stachel.

Was macht dieses Buch zu einer so wundervollen Lektüre? Auch wenn es sich um ein Geschichtswerk handelt ist die Erzählung leicht und humorvoll. Es sind schillernde Persönlichkeiten, die wir kennen lernen dürfen. Es wird üppig gefeiert, geheiratet, aber auch gemordet, taktiert und skrupellos jeder Vorteil genutzt der sich bot.

Und erinnern Sie sich nicht an die Sammelheftchen ihrer Kindheit, für die man sein gesamtes Taschengeld opferte? Im Fall des Autors war es "´s Lands Glorie", die Geschichte Belgiens und zu unserem Glück wurde damit die Liebe Bart Van Loo zur Geschichte geboren.

Über den Autor:

Bart Van Loo, Historiker und Schriftsteller, ist in den Niederlanden mit profunden Büchern zur französischen Geschichte und als begnadeter Vermittler historischer Themen auf Bühnen und im Fernsehen bekannt geworden. Er lebt mit seiner Familie in Westflandern. Dieses Buch "Burgund – das verschwundene Reich" hat er seiner burgundischen Ehefrau gewidmet, die in Flandern heimisch wurde.

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