Ausstellung: Vom Machtzentrum zur Grenzfestung

„Die mächtige Burg zu Burghausen ist der ideale Ort, um die bayerisch-österreichischen Beziehungen im Mittelalter in Szene zu setzen“, so Bernd Schreiber, Präsident der Bayerischen Schlösserverwaltung, anlässlich der Eröffnung der Bayerisch-Oberösterreichischen Landesausstellung 2012. Burghausen ist der bayerische Schauplatz der Schau „Verbündet – Verfeindet – Verschwägert. Bayern und Österreich“.

„Bevor Burghausen Grenzort wurde, war die Burg ein Zentrum von ‚Innbaiern’“, erinnerte Schreiber. Das heutige Innviertel gehörte bis zum Frieden von Teschen 1779 zu Bayern. „Dieser Ort steht wie kaum ein zweiter für die wechselvolle Geschichte der Beziehungen zu unseren österreichischen Nachbarn“.

„Die Burg zu Burghausen genießt eine herausragende Stellung unter den Burgen des Landes“, so Schreiber weiter: „Ihre historische Bedeutung, ihr architektonischer Rang und nicht zuletzt ihre außergewöhnlichen Dimensionen machen sie zu einem der bedeutendsten historischen Bauwerke Bayerns“.

Einst die stärkste Festung im Lande
Mit einer Ausdehnung von etwas über 1000 Metern Länge ist die Burg zu Burghausen eine der längsten Burgen der Welt (das „Guinness“-Buch erklärte sie sogar zur längsten Burg überhaupt). Die landesherrliche Burg der Wittelsbacher ist eines der großartigsten spätmittelalterlichen Befestigungswerke. Das mächtige Bollwerk galt einst als die stärkste Festung im Lande und verkörperte den Macht- und Repräsentationswillen der bayerischen Herzöge. Ihre Ringmauern sind bis heute von nahezu intakt geblieben.

Machtzentrum und Mautort
Der schmale Kammrücken war schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Ab 1027 bis etwa um 1164 wurde das Reichsgut von den Grafen von Burghausen verwaltet, die auf der Südspitze des Burgbergs eine erste steinerne Anlage mit Ringmauer und Kirche errichteten. Im 11. und 12. Jahrhundert lag hier das Machtzentrum der bayerischen Sighardinger, die auch über Gebiete im heutigen Österreich herrschten. Der Welfenherzog Heinrich der Löwe, der Gründer Münchens, besaß vorübergehend die Burg, ehe sie 1180 an die Wittelsbacher fiel. Herzog Otto II. der Erlauchte erhob den wichtigen Maut- und Marktort Burghausen 1235 zur Stadt.

Zweite Residenz von Niederbayern
Von 1255 bis 1503 war die Burg neben Landshut die Zweitresidenz der nieder-bayerischen Herzöge und wurde weiter ausgebaut. Als sicherer Familienwohnsitz erfüllte sie in dieser Zeit vielfältige Funktionen: sie diente als Hofhaltung der Herzoginnen und Erziehungsort der Kinder, als Wohnsitz des Erbprinzenpaares und als Witwensitz. Die Reichen Herzöge von Bayern-Landshut verwahrten in der wehrhaften Trutzburg ihren Gold- und Silberschatz. Von hier aus wurde auch „Innbaiern“ verwaltet, also die Gebiete jenseits der Salzach, die erst 1779 an Österreich fielen.

Wie eine Urkunde bezeugt, hatte die Burganlage bereits 1387 ihre volle Ausdehnung auf über einen Kilometer bis ans Nordende des Kammrückens erreicht. Als der eigentliche Bauherr der Burghauser Burg gilt jedoch Herzog Georg der Reiche von Bayern-Landshut (reg. 1479-1503). Nach seiner Vermählung mit der Königstochter Hedwig von Polen 1475 in der berühmten Landshuter Fürstenhochzeit verbrachte er seine Erbprinzenjahre in Burghausen und steuerte später als regierender Herzog von Landshut aus den weiteren Ausbau.

Mit der Vereinigung der Teilherzogtümer Ober- und Niederbayern nach dem Landshuter Erbfolgekrieg 1504/05 verlor die Burg zu Burghausen ihre politische Bedeutung als Wittelsbacher Zweitresidenz.

Fünf Höfe und eine Hauptburg
Fünf große Höfe, durch Gräben und Toranlagen gesichert, unterteilen das Bergplateau auf einem schmalen Bergrücken zwischen der Salzach und deren Altwasserarm, dem Wöhrsee. Mit ihren Wehrmauern, Toren und Türmen und den Wirtschaftsgebäuden und Wohnbauten für Hofbeamte und Handwerker bilden sie den Auftakt der Gesamtanlage, die in der mächtigen Kernburg um den inneren Burghof an der Südspitze des Burgbergs kulminiert.

Mit dem Ticket der Landesausstellung in das Staatliche Burgmuseum
Der Fürstenbau (Palas) an der äußersten Südspitze der Burg nimmt das Staatliche Burgmuseum auf. Im 1. Obergeschoss sind die einstigen Wohnräume des Herzogs zu besichtigen. Von hier gelangt man auch auf die Empore der spätgotischen Burgkapelle St. Elisabeth.

Im 2. und 3. Stock befindet sich die Staatsgalerie Burghausen als Filialgalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Spätmittelalterliche Altartafeln lassen die kulturelle Blütezeit der Klöster Oberbayerns und der angrenzenden Regionen Österreichs lebendig werden. Ein Zyklus monumentaler Historiengemälde aus dem frühen 17. Jahrhundert, ursprünglich für den Alten Herkulessaal der Münchner Residenz gemalt, veranschaulicht Ereignisse aus der spätmittelalterlichen Geschichte Bayerns. Da diese eindrucksvollen Schlachten- und Zeremonialgemälde das Verhältnis von Wittelsbach und Habsburg beleuchten, sind sie eine hervorragende Ergänzung zum Thema der Landesausstellung.

Vom Dach des Palas eröffnet sich dem Besucher ein unvergleichlicher Blick auf die Burganlage und die Umgebung.

Mehr über Burghausen hier auf burgen.de

Weitere Informationen:
Burg Nr. 48
84489 Burghausen
Tel. (0 86 77) 46 59
Fax (0 86 77) 6 56 74
Internet: www.burg-burghausen.de

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