Sonderführungen im Haus der Fürstin

Am 21. und 28. August 2015 (beides ein Freitag), jeweils um 16:00 Uhr, öffnet die Kulturstiftung DessauWörlitz wieder das Haus der Fürstin im Landschaftspark Wörlitz, wo aktuell die Ausstellung „Idyllen“ mit Radierungen von Carl Wilhelm Kolbe nach Salomon Gessner zu sehen ist. Die Exposition, die an der Vorjahresausstellung anknüpft, kann nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden.

„Idyllen – Radierungen von Carl Wilhelm Kolbe“
Sonderführung mit Dr. Ingo Pfeifer, Abteilung Schlösser und Sammlungen der Kulturstiftung DessauWörlitz

Termine: 21. und 28. August 2015, jeweils 16:00 Uhr und auf Anfrage
Treffpunkt: Haus der Fürstin im Landschaftspark Wörlitz, Kirchgasse, 06785 Oranienbaum-Wörlitz, OT: Wörlitz
Preis: 7,50 €
Anmeldung unter: 03 49 05–409 20 ODER 03 40–64 61 50

Der Maler, Grafiker und Schriftsteller Carl Wilhelm Kolbe (1757–1835) gehört zu den Intellektuellen, die Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740–1817) in seinem kleinen Fürstentum versammelte, um seine Bildungsreform voranzubringen. Als aufgeklärter humanistischer Landesvater widmete er sich dieser Thematik unter dem Motto: Bildung durch Anschauung. Das Landesverschönerungsprogramm diente demnach nicht zuletzt der Pädagogisierung. Die Gärten und Bauten waren für jedermann zugänglich, Architekturen und Gartenbilder sorgten für Denkanstöße. Darüber hinaus forcierte er die Gründung des Philanthropinums. Die Privatschule für Söhne aus Adelsfamilien und dem gehobenen Bürgertum bestand von 1774 bis 1793 und erregte europaweit Interesse. Das Institut entwickelte sich zur wichtigsten Einrichtung der pädagogischen Richtung des Philanthropismus, bei der die Erziehung auf Natürlichkeit, Vernunft und Menschenfreundschaft ausgerichtet ist. An dieser Schule versammelte er die besten Lehrer, die er bekommen konnte; namhafte Pädagogen, Fachleute und Künstler, darunter Carl Wilhelm Kolbe, der bald wegen seiner Vorliebe für Naturdarstellungen von den Dessauern liebevoll Eichen-Kolbe gerufen wurde.

1805 bis 1808 war er mit Erlaubnis des Fürsten für drei Jahre zu Gast bei der Familie des Malerdichters Salomon Gessner in Zürich und fertigte Radierungen nach Gemälden des geschätzten Künstlers, der schon 1788 verstorben war. Es entstanden 25 Blätter – die Idyllen –, in denen in Zeiten der Napoleonischen Kriege die tiefempfundene Sehnsucht nach Harmonie, Frieden und Beschaulichkeit wirkungsvoll zum Ausdruck kamen.

Später notierte Kolbe in seiner Autobiografie, er hätte in Zürich die drei glücklichsten Jahre seines Lebens verbracht. Wie er war auch dessen Vorbild Gessner als Bildkünstler ein relativ spät beginnender Autodidakt. Seine feinen Gouachen und Aquarelle schildern den locus amoenus oftmals an einem malerischen Ort mit Quelle oder Brunnen, gerne auch in einer Waldeinsamkeit. An Kolbes Wirkungsort, dem Gartenreich Dessau-Wörlitz, gab es dergleichen Szenen in reicher Vielzahl. So blieb er fern der Heimat ihr doch verbunden.

Carl Wilhelm Kolbe gehört zum kulturellen Erbe des Gartenreiches Dessau-Wörlitz. Sein künstlerischer Nachlass fiel zu großen Teilen an seinen langjährigen Schüler Mohs, dessen Erben noch lange über circa die Hälfte der Platten und Zeichnungen verfügte. Die KsDW besitzt drei Druckplatten und etwa 150 der zum Teil großformatigen, phantastisch anmutenden Landschaftsradierungen sowie eine komplette Ausgabe der Idyllen, die nunmehr im Haus der Fürstin – dem Grauen Haus – in Wörlitz gezeigt werden.

An diesem Freitag findet die vorletzte öffentliche Führung mit Uwe Quilitzsch statt. In der kommenden Woche wird seitens der Kulturstiftung letztmalig zu einer Führung eingeladen, die Dr. Ingo Pfeifer präsentieren wird. Die beiden Kuratoren gehören zu der KsDW-Abteilung Schlösser und Sammlungen und wissen detailreich über die Arbeiten und den Künstler im Haus der Fürstin zu berichten.

Individuelle Führungen sind auf Anfrage zusätzlich möglich.

Kulturstiftung DessauWörlitz
Schloss Großkühnau
06846 Dessau-Roßlau
t. + 49 (0) 340-646-15-0
Kulturstiftung DessauWörlitz

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