Loirereise 2013 – Etappe II: von Villandry nach Chinon

Das Gebiet der Loire erstreckt umfasst die alten Provinzen Anjou, Orléanais und Touraine. Im X. und XI. Jahrhundert beharkten sich hier die Grafen von Anjou und die Grafen von Blois. Diesen Zwistigkeiten setzte Philipp-August schliesslich ein Ende durch die Annexion des Anjou – und legte damit die Grundlage für den furchtbaren 100-jährigen Krieg, welcher die Region wesentlich mitprägte.

Chateau Saumur, Loire
Château Saumur, Loire
Für die erste Woche haben wir Saumur als Basis gewählt, da wir von hier aus den westlichen Teil des Loire-Kerngebietes gut erkunden konnten.

Erste Station: Saumur – wurde den Grafen von Blois durch Foulques Nerra eingenommen (einem Mann, dessen Namen man immer wieder begegnet) und später unter Geoffroy Plantagenet erneut auf- und in der Folge gebaut. René d’Anjou und Heinrich VI. gehören unter anderem zu den Eigentümern und machten Saumur über die Jahrhunderte ein wundervolles Schloss. Heute gibt es neben der Schlossanlage eine sehr reichhaltige Ausstellung zur Geschichte der Region zu sehen. Jeden Morgen und jeden Abend konnten wir das Schloss auf unseren Sternfahrten bewundern.

Danach geht es weiter nach Villandry, Traum jedes Gartenfans:

Château Villandry, Loire
Château Villandry mit wundervollen Gärten, Loire
1189 bat hier Heinrich der II. Plantagenet seinen Widersache Philipp-August um Frieden, musste aber dann nach Azay und Chinon fliehen. Im XIV. Jahrhundert wird der Hauptturm umgebaut, 1532 wird die Anlage von Jean Breton, einem Staatssekretär Franz I., zum Schloss um- und ausgebaut. Die Gärten bieten reichlich Platz zum Flanieren: Gemüsegärten mit alten Sorten, hängende Weinpassagen, weiße und blaue „Räume“ im gotischen und italienischen Stil – selbst als nicht-ausgesprochener Gartenfan kommt man hier schnell ins Staunen und Schwärmen. Einzig die Menschenmassen waren ein Wermutstropfen: Villandry sollte man nicht unbedingt am Wochenende besuchen.

Château Azay-le-Rideau, Loire
Château Azay-le-Rideau, Loire
Nächste Station ist Azay-le-Rideau. Anfang des 16. Jahrhunderts in seiner heutigen Form erbaut, befindet sich das Schloss auf einer Insel im Flüsschen Indre. Ein befestigter Turm befand sich wahrscheinlich an der Stelle, an der auch heute ein Turm zu sehen ist.
1418 belagerte Karl VI. die Anlage. Die damalige Besatzung stand auf Seiten Anglo-Burgunds und verspottet den Dauphin von den Mauern aus. Ein schlechte Idee: Nach Einnahme der Anlage liess Karl die gesamte Garnison erhängen, Dorf und Schloß liess er niederbrennen. Nach diesen Vorkommnissen wurde das Schloss später auch Azay-le-Brulé genannt. Das Schloss hat eine sehr umfangreiche und schöne Ausstellung, außerdem kann man im Parkcafé sehr gut Pause machen. Der Ort selbst ist mit seinen kleinen Gassen sehr niedlich, wenn auch etwas stark auf Touristen ausgelegt.

Château Saché, Loire
Château Saché, Loire
Ganz in der Nähe von Azay-le-Rideau ist Schloss Saché, Sitz einer alten Baronie und im XVI. Jahrhundert umgebaut zum Renaissanceschloss.

Von außen unspektakulär, ist die Austellung im Haus umso spannender: In Saché schrieb Balzac einige seiner bedeutenden Stücke, hier fand er Inspiration und Vorlagen für zahlreiche seiner Charaktere.

Die Austellung zeigt Manuskripte, Buchausgaben, Korrespondenz und ein umfangreiches Bildverzeichnis. Für Balzac-Fans ein unbedingtes Muß.

Château Ussé, frontal
Château Ussé, die Heimat Dornröschens
Schloss Ussé wurde im XV. Jahrhundert von Jean de Bueil auf den Resten einer alten Festung erbaut. Außerhalb des eigentlichen Schlosses findet man eine schöne Kollegialkapelle aus dem 16. Jahrhundert.

1659 lässt der Marquis de Valentinay, neuer Besitzer von Ussé, den kompletten Nordflügel entfernen, damit das Schloss zum Tal des Flüsschen Indre hin geöffnet ist.

Im Schloss gibt es neben der „üblichen“ Ausstellungen (Möbel, Garderobe etc.) eine Dornröschen-Ausstellung – hier auf Ussé soll der geistige Vater Dornröschens Charles Perrault zur Geschichte inspieriert worden sein.

Château Chinon, Loire
Château Chinon, Loire
Château Chinon – durch die Lage auf dem Felsen Chinons war die Anlage schon immer von besonderer Bedeutung. Im X. Jahrhundert gehörte Chinon den Grafen von Blois, wechselte dann später an die Grafen von Anjou (Plantagenet). Heinrich macht später Chinon zum Zentrum seiner Macht, Heinrich II. Plantagenet baut die Anlage später weiter zur Festung aus.

Sein Sohn Richard Löwenherz stirbt später auf in Chinon an den Folgen einer Verwundung, die er in Chalus bekam. Der Festung fällt später während des 100-jährigen Krieges eine besondere Rolle zu.

Chinon war eines der Highlights dieser Reise. Es ist schon ein besonderes Gefühl, wenn man im Palas an Stellen steht, auf denen 1.000 Jahre zuvor Heinrich II, Richard Löwenherz, Karl VII und Jeanne d’Arc schon standen. Und damit ist die Liste historischer Persönlichkeiten noch lange nicht am Ende.

Château Le Rideau
Château Le Rideau
Mehr dazu demnächst in der Detailbeschreibung zu Chinon.

Letzte Station dieser Etappe war Le Riveau, ein Schloss aus dem XIII. Jahrhundert. Neben einer skurril-unterhaltsamen Aussstellung im Schloss haben die heutigen Besitzer die Gartenanlagen in einen Märchenwald mit unendlich vielen, liebevollen Details verwandelt.

Besonders am frühen Abend macht das Licht einen Spaziergang im Park zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. Ein toller Abschluss für einen anstrengenden Tag!


  1. Loirereise 2013 – Etappe I: Von Fontevraud nach Baugé 17.09.13
  2. Loirereise 2013 – Etappe II: von Villandry nach Chinon 14.11.13
  3. Bilderbuch Schlösser der Loire … 01.06.14
  4. Schlösser der Loire (Teil II) 29.06.14

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

44 Shares
Share44
Tweet
+1