Karl der Grosse – Zwischenbilanz der Ausstellungstrilogie

Karl der Grosse – Frankenkaiser, Lebemann, Krieger, Frauenheld, Christ
Die Stadt Aachen präsentiert im Karlsjahr 2014 eine Ausstellungstrilogie

Büste von Karl dem Großen (c) Gabi Schwarz
Büste von Karl dem Großen (c) Gabi Schwarz

Gleich mit drei spektakulären Ausstellungen feiert die Stadt Aachen diesen grossen Kaiser, der seine letzten Lebensjahre hier verbracht hat. Er war der bedeutendste Herrscher aus dem Geschlecht der Karolinger. Unter dem Titel Karl der Grosse. Macht Kunst Schätze gibt es ein umfangreiches Spektrum zu sehen, das versucht, die verschiedenen Facetten des Frankenherrschers aufzuzeigen und zu beleuchten.

Karl der Grosse herrschte zu seiner Zeit über ein Riesenreich und kann dennoch nicht als erster Vertreter der Idee eines vereinten Europas betrachtet werden. Sein Ziel war die Eroberung eines möglichst grossen Reiches und die Ausdehnung seiner Macht, nicht die Integration verschiedener Kulturen, Völker und Sprachen, in der Art, wie wir Europa heute kennen.

Er war eine schillernde Figur, soll von stattlicher Statur gewesen sein und war in seinen jungen Jahren als „Reisekaiser“ bekannt, da er ständig mit seiner Entourage, die aus bis zu 1.000 Menschen bestanden haben soll, durch die Lande gezogen ist, um seine Ländereien zu verteidigen und Eindringlinge abzuwehren. Man geht heute davon aus, dass es lediglich 2 Jahre in seinen 46 Herrschaftsjahren gab, in denen er keinen Krieg geführt hat.

3D-Installation des Karlsschreins (c) Gabi Schwarz
3D-Installation des Karlsschreins (c) Gabi Schwarz

Gleichzeitig war Karl der Grosse ein gläubiger Christ, der viel dazu beigetragen hat, seinen Glauben zu verbreiten. Und er wurde am Weihnachtstag des Jahres 800 von Papst Leo III. zum Kaiser gekrönt.

Karl der Grosse war fünf Mal verheiratet und hinterliess unzählige Nachkommen. Zu seinen grossen Verdiensten zählten eine Bildungsreform und eine Art Erneuerung der geistigen Kultur in Europa. Er unterstützte die Unterhaltung von Schulen im Land und er versammelte viele Gelehrte aus ganz Europa an seinem Hof, denen er wichtige Ämter und Aufgaben übertrug.

Warum sich Karl der Grosse ausgerechnet für Aachen als Kaiserpfalz entschieden hat? Darüber rätseln die Historiker teilweise noch. Eigentlich sprach nicht besonders viel für die Stadt, die heute im Dreiländereck Deutschland, Niederlande, Belgien liegt. Sie hatte zwar bereits zu Zeiten der Römer eine gewisse Bedeutung, da sich hier zwei Strassen gekreuzt haben, aber sie lag nicht in der Mitte des Reiches und es gab keine Wasserstrasse, um schwere Waren zu transportieren.

Aber …. Aachen hatte warme Quellen, deren Wasser man heute noch in den Carolus-Thermen geniessen kann. Und da Karl der Grosse bekannt dafür war, dass er gerne ein Bad nahm, gerne auch in Begleitung, war dies’ vielleicht ein nicht unerheblicher Faktor für die Entscheidung für Aachen. Er war also auch ein Badekaiser.

Karl der Grosse starb in der Kaiserpfalz am 28. Januar im Jahr 814 und wurde in der Marienkirchen, dem heutigen Dom, begraben. Aachen ist heute, als früheres Zentrum des fränkischen Riesenreichs, die besterhaltene Palastanlage aus der Karolingerzeit.

Die Ausstellungen zum 1200. Jahrestag seines Todes finden in 3 Lokationen statt:
In der Domschatzkammer, im Krönungssaal und im neu erbauten Zentrum Charlemagne.

(c) Bilder:

  1. Stadt Aachen, Andreas Herrmann: Orte der Macht, Ausstellung
  2. Stadt Aachen, Andreas Herrmann: Verloren Schätze, Krönungsmäntel
  3. Andreas Herrmann: Karlsbüste
  4. Bibliothèque nationale de France: Godescalc-Evangelistar, Lebensbrunnen und Initialzierseite (fol. 3v – 4), Hofschule Karls des Großen, 781-783, Paris,


Und ein Besuch lohnt sich unbedingt! In jedem der drei Orte gibt es eine phantastische Ausstellung zu sehen, mit neuen Technologien, Projektionen und vor allem Exponaten, die man in Aachen noch nie zu sehen bekommen hat und die zum Teil erst im Vorfeld der Ausstellungen Aachen zugeordnet werden konnten, da sie vorher mit einem anderen Ursprungsort etikettiert waren.

Ein Beispiel dafür sind einige Textilexponate, die es in der Domschatzkammer zu sehen gibt. Sie können teilweise Krönungsmänteln zugeordnet werden, die in der Vergangenheit aus Geldnot zerschnitten und verkauft wurden.

Viele der kostbaren Stoffe wurden an anderer Stelle, in anderen Museen, aufbewahrt, ohne dass bekannt war, dass sie aus Aachen stammen. Sie wurden erst im Rahmen der Ausstellungsvorbereitung entdeckt.

Etliche der Aachener Schätze wurden auch in der Zeit Napoleons nach Frankreich gebracht und befinden sich heute zum Beispiel im Louvre und sind jetzt im Rahmen der Ausstellungstrilogie in Aachen zu sehen.

Orte der Macht

Die Ausstellung im Krönungssaal schlägt den Bogen von den Machtzentren, die es in Europa im Mittelalter gab, zu den „Orten der Macht“ in der Gegenwart. Zu den Highlights gehören die Projektionen an der Gewölbedecke und eine 3D-Installation rund um den Karlsschrein.

Kopie des Dagoberttrons, Möbelstück (Paris, BNF, Cabinet des Médailles), Obj.-Nr.: 0666, Bibliothèque nationale de France
Kopie des Dagoberttrons, Möbelstück (Paris, BNF, Cabinet des Médailles), Obj.-Nr.: 0666, Bibliothèque nationale de France

Eine Karte zeigt einen beeindruckenden Überblick über die Reisewege des „Reisekaisers“ – auch wenn lediglich 5 % seiner Aufenthaltsorte bekannt sind.

Krönungssaal – Orte der Macht
sog. Dagobert-Thron / Kopie des Dagoberttrons, Möbelstück (Paris, BNF, Cabinet des Médailles), Obj.-Nr.: 0666, Bibliothèque nationale de France

Karls Kunst

In dieser Ausstellung im neuen Zentrum Charlemagne geht es um die Kunstwerke aus der Karolingerzeit und um Exponate, die der „Aachener Hofschule“ zugeordnet werden können und die teilweise wieder an ihren Ursprungsort zurück gekehrt sind. Hier sind zum ersten Mal wieder kostbare Handschriften, Elfenbeinschnitzereien und Goldschmiedearbeiten, die aus den Aachener Werkstätten stammen, wieder vereint. Es sind Exponate zu sehen, die vorher noch nie ausgeliehen waren und selbst der Vatikan hat mit einigen Kostbarkeiten zu diesem Ausstellungsbereich beigetragen.

Verlorene Schätze

Der Aachener Domschatz ist einer der bedeutendsten Kirchenschätze in Europa und umfasst doch nur einen Bruchteil der Kostbarkeiten, die früher in Aachen zu Hause waren.

Innenansicht des Oktogons
 im Aachener Dom (c) Foto: Andreas Herrmann
Innenansicht des Oktogons
 im Aachener Dom (c) Foto: Andreas Herrmann

„Verlorene Schätze“ zeigt 61 Exponate, die einst zum Aachener Domschatz gehörten, mittlerweile aber an anderen Orten aufbewahrt werden – daher der Ausstellungstitel „Verlorene Schätze“. So sind jetzt wieder die Krönungsgewänder von Richard von Cornwall (1257) und Karl dem IV. (1349) zu sehen. Sie wurden aus mehreren Stücken, die sonst in verschiedenen Museen aufbewahrt werden, wieder zusammengesetzt.

Begleitet wird die Ausstellungstrilogie von einem umfangreichen Programm mit mehr als 100 Veranstaltungen – weitere Informationen finden Sie hier:
http://www.karldergrosse2014.de/more/veranstaltungen/

Und wer Aachen besucht, sollte sich unbedingt auch den Dom ansehen. Ein Bauprojekt Karls des Grossen, das sich an Bauten in Byzanz und Italien orientierte und der erste steinerne Großbau mit Zentralgewölbe nördlich der Alpen war.

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