Azay-le-Rideau

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Geschichte von Schloss Azay-le-Rideau

„Un diamant taillé à facettes serti par l’Indre“ (H. Balzac)

Honore de Balzac beschrieb dieses Château als „geschliffenen Diamanten, vom Indre gefasst“ und noch heute gilt Azay-le-Rideau als Kleinod unter den Loire Schlössern. Das Schloß liegt in dem kleinen Ort gleichen Namens nur 25 km von Tours entfernt und wie ein Diamant spiegelt sich die Renaissance Fassade im ruhigen Gewässer des Indre.

Schloss Azay-le-Rideau, von der Brücke aus
Schloss Azay-le-Rideau, von der Brücke aus

Bereits im 10. Jahrhundert wird der Name des Ortes erwähnt, der vermutlich auf einen römischen Grundbesitzer zurückgeht. Im 12. Jahrhundert steht hier eine Burg, deren bekanntester Besitzer ein Mann mit dem Namen Rideau oder Ridel d´Azay ist. Seinen Beinamen „Teufelssohn“ hatte er sich durch seine besondere Grausamkeit erworben. Die Burg und der Ort wurden von Karl II niedergebrannt, nachdem er hier im Jahr 1418 – zu dem Zeitpunkt war er noch der Dauphin – von burgundischen Besatzungstruppen beleidigt worden war.

Fast 100 Jahre später, im Jahr 1510, erwarb Gilles Berthelot, Schatzmeister Franz I. und Bürgermeister von Tours, Herrschaft & Burg und um 1518 begann er mit dem Bau des Schlosses im italienischen Stil. Durch seine Position in den Adelsstand erhoben und durch die Heirat der reichen Erbin Philippe Lesbahy mit den nötigen Mitteln versehen, sollte das Schloss seinen neuen Stand verkörpern. Mit der Unterstützung seines Verwandten Semblancy machte er weiter Karriere, nach dessen Fall aufgrund eines Finanzskandals, ergriff Berthelot 1527 die Flucht und so war es ihm nicht vergönnt, den Abschluss der Bauarbeiten mitzuerleben. Das Château wurde von Franz I. dem Befehlshaber der Wache Antoine Raffin überlassen. Dessen Nachkommen bewohnten es bis ins 18. Jahrhundert.

Charles de Biencourt erwarb das Schloss im Jahr 1791 und seine Familie gab dem Schloss seinen über die Jahre verlorenen Glanz zurück. Der romantische Park wurde von ihnen geschaffen, die bis in das 19. Jahrhundert noch rund um das Schloss stehenden Reste eines Bergfriedes und ein mittelalterliches Gebäude wurden abgerissen. Ab 1810 verfügte der Marquis die Trockenlegung der Wiesen und das Anpflanzen von Pflanzen aus fernen Ländern, darunter Mammutbäume und Ginkgo.



Prinz Friedrich Karl von Preußen wurde während eines Abendessens im Jahr 1871 beinahe getötet, als ein schwerer Kronleuchter von der Decke fiel. Seine Offiziere konnten den von einem Attentatsversuch überzeugten Prinzen nur mit Mühe davon abhalten, das Château niederzubrennen.

Azay-Le-Rideau ist ein wundervolles Beispiel für ein Schloss der Frührenaissance, die schmückenden Ecktürme haben jeden Wehrcharakter verloren, die Fassade ist symmetrisch mit hohen Fenstern gegliedert und auch die umlaufenden Gusserker sind rein dekorativ. Die Eingangsfassade ist mit dem Wappen des Königs Franz I. (Salamander), der Königin Claude (Hermelin) und den Initialen des Bauherren G, P und B (Gilles und Philippe Berthelot) verzieht.

Blick nach oben im Treppenhaus
Blick nach oben im Treppenhaus
Das Treppenhaus der Großen Treppe besteht aus 3 versetzten Etagen mit Loggien und wird von einem reich geschmückten Giebel gekrönt.

Es war das erste seiner Art in Frankreich, welches den bis dahin üblichen angebauten Treppenturm durch ein Treppenhaus mit geradem Treppenverlauf und Umkehrpodesten ersetzt. Die Decken der Aufgänge sind geschmückt mit Profilportraits von Königen und Königinnen in Medaillenform.

Die Räume des Schlosses sind reich mit Mobiliar des 16.-19 Jahrhunderts eingerichtet. Im Salon Biencourt findet man über dem Kamin im Renaissance- Stil ein Oval mit dem Salamander Franz I.
Weitere bemerkenswerte Räume sind die Küche, das Renaissancezimmer und das Vorzimmer. Ganz in Rot gehalten, hängen hier Portraits französischer Könige des 16. Und 17. Jahrhundert. Im Anschluss gelangt man das Chambre du Roi, wo Ludwig XIII im Jahr 1619 logierte.

Im Château kann man das Gemälde „La Dame au bain“, eine Kopie Kopie des berühmten Gemäldes von François Clouet bewundern. Es soll angeblich Gabrielle d’Estrées, die Maitresse von Jenri IV. sœur. Diana von Poitiers darstellen.


Blick aus dem Park
Blick aus dem Park
Château Azay-le-Rideau
37190 Azay-le-Rideau
Département Indre-et-Loire
Frankreich

Website der Monuments Nationaux

Öffnungszeiten
Täglich, außer 01. Januar, 01. Mai und 25.Dezember
Oktober bis März : 10:00h bis 17:15h
April bis Juni und im September : 09:30h bis 18:00h
Juli und August : 09:30h bis 19:00h
Letzter Einlass ist 1 Stunde vor Schließung.

Eintrittspreise
Erwachsene: 8,50€
Audioguide zusätzlich 4,50€

Besucher-Tipp
Wollen Sie mehrere Schlösser der Loire besuchen, empfiehlt sich der Kauf der Tickets im Paket.
Auf der Website des Office de Tourisme de Blois werden verschiedene Pässe angeboten.

Veranstaltungen
In der Sommersaison (Juli und August) ist der Schlosspark Schauplatz des Spektakels “Son et Lumiere”, einer Ton – und Lichtshow.
Infos auf französich unter http://www.touraineloirevalley.com/je-decouvre/a-l-affiche/sons-lumieres-les-chateaux-sont-en-tenues-de-soiree

Anfahrt
Von Tours: Ausfahrt Nr 11 und weiter auf der D 751 Richtung Chinon
Von Poitiers: N 10 Richtung Sainte-Maure, dann die D 760 und D 57 nach Azay-le-Rideau

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